Warum Düsseldorf eine demokratische Schule braucht

Als SPD in Düsseldorf haben wir in der Ratssitzung im Januar beantragt, die Initiative Demokratische Schule e. V. bei der Suche nach einem Schulgebäude zu unterstützen. Für den Antrag gab es dankenswerter Weise breite Zustimmung.

Auf einer hölzernen Tischplatte liegen ein Block, ein Stift und ein Tablet.

Ich bin der Meinung, dass solche Schulversuche nicht nur die Schullandschaft in Düsseldorf bereichern, sondern einen Beitrag leisten können, neue Unterrichts- und Mitbestimmungskonzepte auch für die Regelschulen nutzbar zu machen. Man muss mit dem Gesamtkonzept demokratischer Schulen nicht völlig übereinstimmen (es handelt sich hier z. B. häufig um kostenpflichtige Privatschulen!), um zu erkennen, dass zu einer guten Vorbereitung auf das Leben in einer demokratischen Gesellschaft bereits in der Schule der Grundstein gelegt werden muss. Hier sollte sich Politik noch das ein oder andere abschauen und auch für das Regelschulsystem nutzbar machen. Z. B. mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten für Schülerinnen und Schüler, mehr Projektarbeit zur Förderung von selbstbestimmtem und jahrgangsübergreifendem Lernen, weniger Klassenarbeiten. Dass der Bedarf vorhanden ist, zeigen auch die zahlreichen Anmeldungen für die Demokratische Schule, die bereits heute vorliegen.

Leider wurde das Konzept der Schule durch die Bezirksregierung zunächst abgelehnt. Nun folgt ein wohl sehr langwieriger Klageweg, den die Schule hoffentlich für sich entscheiden wird. Notwendig ist dazu unter anderem auch der Nachweis eines Schulgebäudes. Einige Jahre lang hat die Stadt Düsseldorf das “Haus Kolvenbach” im Volksgarten für die Initiative freigehalten. Durch die Ablehnung wird sich der Bezug nun deutlich verzögern. Das Gebäude kann daher nicht länger reserviert werden und wird aufgrund der immer schlechter werdenden Bausubstanz einer anderen Nutzung zugeführt. Die Stadt wird nun gemäß Antrag die Initiative bei der Suche nach einem anderen Gebäude unterstützen. Das begrüße ich ausdrücklich.

 

Was ist eine “Demokratische Schule”?

Jede demokratische Schule hat meist ihr eigenes Konzept, funktioniert jedoch nach denselben Grundprinzipien: Alle Entscheidungen werden demokratisch durch alle an der Schule beteiligten Akteure – Lehrkräfte, Schüler*innen, sonstiges Personal – jede Stimme hat das Gleiche gewicht. Schulregeln, Projekte, Lerninhalte, Finanzen – alles wird gemeinschaftlich diskutiert und beschlossen. Die Idee dahinter: Jungen Menschen von Beginn an demokratische Werte zu vermitteln, indem sie sie selbst bereits in der Schule leben. So werden sie von Anfang an zu selbstbestimmten und verantwortungsvollen Menschen erzogen. Damit unterscheidet sich diese Schulform signifikant vom klassischen Schulsystem, in dem Schülerinnen und Schüler in einem hohen Maße fremdbestimmt werden. Bei Lehrplänen, Unterrichtszeiten, Finanzen oder Personalentscheidungen hat ihre Stimme gar kein oder nicht das entscheidende Gewicht.

 

Die Demokratische Schule Düsseldorf e. V.

Die Idee einer Demokratischen Schule in Düsseldorf gibt es schon seit 2005. Die Initiative “Demokratische Schule Düsseldorf e. V.” hat sich offiziell 2015 gegründet. Ihr Ziel: Die Schaffung einer Schule nach Vorbildern aus England und den USA, die Schülerinnen und Schülern demokratische Werte nicht nur lehrt, sondern auch von Anfang an leben lässt. Das heißt, dass alle Schüler*innen, Lehrkräfte und Mitarbeitende gleichberechtigt über die Belange der Schule entscheiden. Außerdem gibt es keinen klassischen Frontalunterricht. Schülerinnen und Schüler lernen selbstbestimmt – z. B. in Projektgruppen oder Kursen – altersübergreifend und ohne klassische Benotung. Auch das Schulgebäude soll diesen Anforderungen entsprechen: Mit Lern- und Projekträumen, Versammlungsorten, Aufenthaltszonen, eigener Küche und vielem mehr.

Demokratische Schulen sind in der Regel sogenannte Ersatzschulen. Dass heißt, dass hier häufig kein Abschluss gemacht werden kann. Schülerinnen und Schüler legen ihre Abschlussprüfungen extern an staatlichen Schulen ab.

 

Vorbilder:

Die Demokratische Schule Düsseldorf hat ihr ganz eigenes Konzept, jedoch auch bestehende Vorbilder. Die Idee der demokratischen Schulen ist bereits mehr als 100 Jahre alt. Die erste demokratische Schule wurde 1921 durch den schottischen Pädagogen Alexander Sutherland Neill gegründen und existiert noch heute: Die Summerhill-Schule in Suffolk (England). Ein weiteres Vorbild ist die Sudbury Valley School in Massachusetts (USA), nach deren Konzept sich bis heute mehr als 40 Schulen weltweit gegründet haben.

 

In Deutschland gibt es ca. 23 demokratische Schulen. So z. B. die Neue Schule Hamburg, die Freie Schule Frankfurt oder die Freie Schule Leipzig. Sie alle gehören in der Regel dem Bundesverband freier Alternativschulen an.